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Viel Arbeit für einen guten Tropfen

Ein Rebberg, 400 Rebsorten und unzählige Handgriffe: Mario Eggenberger kümmert sich als Betriebsleiter um den Staatswingert in Frümsen im St. Galler Rheintal.

Text und Fotos Susanne Wahrenberger

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07:00

Mario Eggenberger lässt seinen Blick über den Rebberg schweifen. Heute kontrolliert er vor allem die blauen Netze, die die Blauburgunder-Trauben vor den Vögeln schützen. Seit wenigen Tagen hängen sie über den Reben. Zum Einsatz kommen sie, sobald die Trauben ihre Farbe von Grün zu Blau wechseln. Denn im Herbst finden die Vögel immer weniger Nahrung – und die süssen Trauben sind für sie besonders attraktiv.

07:30 

Die meisten Trauben sind bereits blau. Rund 80 Prozent ihrer Reifezeit haben sie hinter sich. Bei weissen Trauben dauert es vom Blühen bis zur Ernte rund 100 Tage, bei roten sind es etwa 120. Was jetzt noch grün ist, schneidet Mario aus den Reben. «Rausputzen» nennt sich diese Arbeit. Sie sorgt dafür, dass die Trauben möglichst gleichmässig reifen. Das ist entscheidend für die Qualität des späteren Weins. 2014 wurde der St.Galler Staatswein zum besten Schweizer Staatswein gekürt.

09:30

Es beginnt zu regnen. Für Mario kein Grund, den Rebberg zu verlassen. Der Staatswingert liegt direkt unter dem Alpstein, wo Berggewitter häufig bis nach Frümsen ziehen. Die Feuchtigkeit begünstigt Pilzkrankheiten wie den falschen Mehltau. Mit der Heckenschere schneidet Mario die Triebe der Reben zurück. Zu viel Blattwerk würde unter den Blättern ein feuchtes Klima schaffen – ideale Bedingungen für Krankheiten.

12:00

Zum Mittagessen fährt Mario ins Landwirtschaftliche Zentrum in Salez. Hier erledigt er Büroarbeiten und trifft Kolleginnen und Kollegen. Die meiste Zeit arbeitet er allerdings allein. Stört ihn das? «Ich geniesse die Ruhe und höre den Vögeln bei ihrem Morgenkonzert zu.» Manchmal schaltet er aber auch das Radio ein. Während der Sommersaison oder der Weinlese erhält er Unterstützung von Mitarbeitenden im Stundenlohn.
Dann schätzt er den Austausch.

13.00

Mit einer Stockbürste, montiert an einem Raupentransporter, fährt Mario durch die Rebzeilen. Die Bürste schiebt das Gras unter den Reben zur Seite. Später kann Mario es dort einfacher mähen. Zu hohes Gras hält Feuchtigkeit in den Reben und kann Kirschessigfliegen anlocken. Herbizid wäre eine einfachere Lösung. Mario verzichtet bewusst darauf: «Unser Wein soll möglichst naturnah entstehen.»

15.30

Im Sortengarten wachsen mehr als 400 verschiedene Traubensorten. Mario ist besonders angetan vom «Tressot panaché». An derselben Rebe wachsen weisse, blaue und zweifarbige Beeren. «Der Farbumschlag ist immer ein Highlight für mich.» Wein wird aus den besonderen Sorten nicht hergestellt. Sie landen in einer alkoholfreien Traubenschorle.

15:45

Wie reif die Trauben sind, zeigt sich nicht nur an ihrer Farbe. Bei der Sorte «Solaris» misst Mario den Zuckergehalt, das «Öchsle». Er pflückt einige Beeren, drückt sie aus und gibt den Saft auf den Refraktometer. 96 Öchsle. Für die frühe Sorte ist das genug: Die Ernte kann beginnen. 

16:00

Die Zahl allein entscheidet aber nicht über den Start der Wimmet. Mario probiert die Trauben, prüft Farbe und Geschmack und schaut sich die Kerne und die Schale an. Dazu kommt die Wetterprognose. Erst aus all diesen Eindrücken ergibt sich für ihn der richtige Zeitpunkt: «Der Erntezeitpunkt ist meine Handschrift.» Als er vor 25 Jahren mit dem Winzern begann, wurden die roten Trauben meist gegen Ende Oktober geerntet. Dieses Jahr rechnet er damit, dass die Wimmet bereits Anfang bis Mitte Oktober abgeschlossen ist.

17:00

Bald ist Feierabend. Mario blickt zufrieden über den Weinberg. Die Arbeit mit und in der Natur ist es, die Mario am Winzerberuf so gut gefällt. «Und am Ende
entsteht immer ein schönes Produkt.» Und was ist für Mario ein guter Wein? «Für mich ist ein guter Wein harmonisch, charaktervoll, lang anhaltend und bereitet mir Freude beim Trinken. Aber: Mir kann ein Wein hervorragend schmecken, während er jemand anderem gar nicht zusagt. Deshalb ist es schön, dass es so viele verschiedene Weine gibt.»

Schweizweit einzigartige
Rebsortensammlung

Auf 1,7 Hektar wachsen im Staatswingert Frümsen über 400 Rebsorten. Den Hauptanteil macht der Blauburgunder aus. Der 1987 neu angepflanzte Rebberg dient dem Landwirtschaftlichen Zentrum Salez als Versuchs-, Ausbildungs- und Demonstrationsbetrieb für die St. Galler Winzerinnen und Winzer. Produkte werden im eigenen Verkaufsladen oder bei regionalen Händlern und Gastronomiebetrieben verkauft. Der Staatswingert bietet auch Führungen für interessierte Personen an.