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«Wir hatten grosses Glück bis jetzt»

Es war eine Frage der Zeit, bis der Japankäfer auch bei uns auftaucht. Er ist ein Vielfrass und deshalb gefürchtet. Diesen Sommer ist er gelandet. Nina Thomas, die Leiterin der Fachstelle Pflanzenschutz am Landwirtschaftlichen Zentrum Salez, koordiniert seine Bekämpfung. Was geht da ab, Nina?

Interview Markus Wehrli | Foto Thomas Hary

«Wir hatten grosses Glück bis jetzt»

Es war eine Frage der Zeit, bis der Japankäfer auch bei uns auftaucht. Er ist ein Vielfrass und deshalb gefürchtet. Diesen Sommer ist er gelandet. Nina Thomas, die Leiterin der Fachstelle Pflanzenschutz am Landwirtschaftlichen Zentrum Salez, koordiniert seine Bekämpfung. Was geht da ab, Nina?

Interview Markus Wehrli | Foto Thomas Hary

Nina, als der erste Japankäfer bei uns aufgetaucht ist, was ging dir da durch den Kopf?

Ich hatte im Frühling das Gefühl, dass ich meine Ferien dieses Jahr im Juni beziehen muss, nicht wie sonst im Juli – weil dann vielleicht der Japankäfer kommt. Prompt rief dann an meinem letzten Ferientag im Juni der Arbeitskollege an. Der erste Käfer war da.

Und dann?

Ich hatte erst mal einen tüchtigen Schreck. Ich habe den Notfallplan des Bundes zuvor x-mal durchgelesen. Aber wenn der Erstbefund dann da ist, liest man so einen plötzlichen Plan ganz anders. Dann geht es um konkrete Schritte: Was passiert jetzt? Wie läuft die Fallenbestellung? Und, und, und …

2026 war eine Vorbereitung auf das, was kommt.

Wie habt ihr euch auf den Tag X vorbereitet?

Wir waren via Eidgenössischem Pflanzenschutzdienst sehr gut informiert, wir tauschten uns kantonsintern sehr gut aus und wir profitierten insbesondere von den Erfahrungen anderer Kantone wie Tessin oder Zürich, wo sich der Japankäfer zum Teil sehr stark ausgebreitet hat.

Du hast den Notfallplan erwähnt. Welche Rolle hat er?

Wir haben den Notfallplan des Bundes letztes Jahr auf den Kanton St.Gallen angepasst. Das war extrem wichtig. Die Arbeit selbst war aber mühsam. Wir mussten oft nerven, damit die Vorbereitung auf den Japankäfer überhaupt an die Hand genommen wurde. Es ist schwierig, eine Bedrohung zu vermitteln, die vielleicht eintritt und vielleicht auch nicht.

Was hat die Vorbereitung konkret gebracht?

Sehr viel. Die Schlüsselstellen – etwa die Polizei, die Kommunikationsstelle, der Rechtsdienst – waren vorab informiert. Die Akteure kannten ihre Aufgaben, die Rechtsgrundlagen, und sie kannten den Japankäfer. Das war entscheidend, weil der Erstbefund mitten in die Sommerferienzeit fiel. Dank der Vorbereitung konnten wir trotz der vielen Ferienabwesenheiten zielgerichtet und schnell agieren.

Kein Moment von Chaos?

Nein. Wir mussten die Rollen zum Teil etwas anpassen. Es fehlte zum Beispiel ein Protokoll aller Vorgänge beziehungsweise ein Sekretariat. Es liefen so viele Aufgaben parallel, dass es schwierig war, den Überblick zu behalten. Aber Chaos brach in keinem Moment aus.

Warst du oder bist du unter grossem Druck?

Nein, überraschend wenig. Die Aufgaben im Team waren gut verteilt. Grosser persönlicher Stress ist nicht entstanden. Aber wir hatten ehrlich gesagt auch Glück …

… erzähl bitte.

Vieles ist zu unseren Gunsten gelaufen. Die Fachstelle Pflanzenschutz ist in Salez. Der Erstbefund war in Buchs. Das ist vor unserer Haustüre, nicht etwa irgendwo im Wald in irgendeiner Ecke des Kantons. Zudem handelte e sich beim Befall in Buchs um eine
kleine Mini-Population. Schliesslich half uns auch, dass der Japankäfer eher spät im Jahr auftauchte und sich die Population nicht weiter vergrösserte. Das spielte uns alles in die Hände.

Was sind die Lehren für nächstes Jahr?

Wir haben viele Erfahrungen sammeln können. 2026 war eine Art Training, darauf können wir aufbauen. Der Japankäfer ist nun mal da. Da wir in diesem Jahr erst spät Käfer gefangen haben und es zudem nur wenige waren, haben wir uns darauf konzentriert herauszufinden, auf welchem Weg die Käfer zu uns gelangt sind, und die weitere Ausbreitung zu verhindern. Nächstes Jahr starten wir die Massnahmen zur Vorbereitung bereits ab Mai mit Schildern an Camping- und Wohnmobilstellplätzen und mit Hinweisen zur Fahrzeugkontrolle. Und ab Juni dann mit Fallen. Ausserdem werden konkrete Bekämpfungsmassnahmen hinzukommen. Wir erstellen Lockflächen, um die Käfer und deren Larven zu vernichten. Oder wir setzen auch Nützlinge gegen den Japankäfer ein, also natürliche Feinde. Die Kernfrage wird aber sein: Wie schaffen wir es, die Bevölkerung wach und aufmerksam zu halten?

Noch sind wir im Jahr 2026. Dein Fazit zum Jahr eins mit dem Japankäfer?

Wie gesagt: Wir hatten Glück. 2026 war eine gute Vorbereitung auf das, was noch kommt.