Michelle, du leitest seit September 2025 den Dienst für Informatikplanung des Kantons und warst zuvor Leiterin der E-Government-Services. Was begeistert dich am Digitalen?
Mich begeistert, dass man nie stehen bleibt. Ich lerne ständig Neues, bin nahe am Puls der Zeit und kann gemeinsam mit Menschen viel gestalten. Das Digitale entwickelt sich laufend weiter – dies entspricht mir.
Dieser Puls der Zeit bringt auch Druck und hohe Erwartungen mit sich. Wie gehst du damit um?
Ich schätze das. Veränderung ist für mich der Normalfall – im Leben wie im Beruf. Sie gehört zur Weiterentwicklung. Im Arbeitsumfeld stellt sich deshalb regelmässig die Frage, wo wir besser werden können und müssen. Diese Bewegung ist für mich ein Prozess.
Wie nehmt ihr die Mitarbeitenden bei diesem Tempo mit?
Das ist nicht nur eine Aufgabe des Dienstes für Informatikplanung, sondern eine Führungsaufgabe aller Ebenen. Digitale Kompetenzen müssen laufend aufgebaut werden. Es braucht einerseits die intrinsische Motivation der Mitarbeitenden, andererseits Unterstützung, etwa durch Weiterbildungsangebote. Wichtig ist vor allem, Ängste abzubauen und zu zeigen: Niemand wird überflüssig, aber die Aufgaben verändern sich. Führung muss in diesem Zusammenhang Orientierung geben.
Machen wir einen Schritt zurück: Was macht der Dienst für Informatikplanung eigentlich konkret?
Wir sorgen dafür, dass die Digitalisierung im Kanton nicht isoliert entsteht, sondern strategisch gesteuert, koordiniert und am öffentlichen Auftrag ausgerichtet
ist. Es geht darum, über Governance und Gremien digitale Lösungen übergreifend abzustimmen und gemeinsam voranzubringen. Zudem liegt der Betrieb
zentraler Querschnittsservices bei uns und bildet die Grundlage für digitale Angebote.
Digitalisierung verspricht Effizienz – hat aber auch Grenzen. Wo erlebst du diese besonders?
Als Staat bewegen wir uns innerhalb klarer Rahmenbedingungen. Wir müssen Lösungen anbieten, die sicher, stabil und tragfähig sind – im Einklang mit
Rechtsgrundlagen, Datenschutz und Informationssicherheit. Sobald ein Angebot als Service eingesetzt wird, müssen alle Vorgaben und Standards eingehalten
werden.
Wo liegen die grössten Chancen der Digitalisierung für den Kanton?
In effizienteren Prozessen und in der Automatisierung von Routinetätigkeiten. Das entlastet Mitarbeitende und schafft Raum für neue Potenziale. Auch die Zusammenarbeit und Vernetzung wird deutlich besser – über Departemente und Ebenen hinweg. Digitale Werkzeuge helfen, das klassische Silodenken abzubauen.
Gibt es Bereiche, in denen das Analoge bestehen bleiben sollte?
Ja, gerade aus Gründen der Inklusion. Nicht alle Menschen sind gleich digitalaffin oder verfügen über entsprechende Zugänge. Deshalb ist es in bestimmten Fällen notwendig, analoge Angebote parallel weiterzuführen. Das bedeutet zwar Mehraufwand, stellt aber einen bewussten Entscheid dar, um gesellschaftliche Teilhabe sicherzustellen.
Warum verläuft Digitalisierung in der Verwaltung oft langsamer als in der Privatwirtschaft?
Ein zentraler Punkt sind die Rechtsgrundlagen – ohne sie fehlt uns die Legitimation. Zudem arbeiten wir mit öffentlichen Geldern. In der Privatwirtschaft kann man
schneller und einfacher experimentieren. Bei der öffentlichen Hand haben wir klare Vorgaben, beispielsweise im Beschaffungsrecht, und eine besondere Verantwortung gegenüber der Bevölkerung.
Was ist am Ende schwieriger: Die Technik zum Laufen zu bringen oder die Menschen davon zu überzeugen?
Beides gehört zusammen. Die Technik muss stabil, sicher und zuverlässig funktionieren. Erst dann entsteht Vertrauen – und Vertrauen ist das wichtigste Gut.