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«Wir haben dasselbe Ziel: Sicherheit.»

Mit dem geplanten Interventionszentrum in St. Margrethen rücken Kantonspolizei und Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) enger zusammen. Barbara Reifler, Kommandantin der Kantonspolizei St. Gallen, ordnet ein, was das für den Einsatzalltag der Kapo und für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet.

Interview Susanne Wahrenberger | Foto Thomas Hary

«Wir haben dasselbe Ziel: Sicherheit.»

Mit dem geplanten Interventionszentrum in St. Margrethen rücken Kantonspolizei und Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) enger zusammen. Barbara Reifler, Kommandantin der Kantonspolizei St. Gallen, ordnet ein, was das für den Einsatzalltag der Kapo und für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet.

Interview Susanne Wahrenberger | Foto Thomas Hary

Barbara, viele verbinden Grenzsicherheit in erster Linie mit dem Zoll. Welche Rolle spielt die Kantonspolizei überhaupt an der Grenze?
Entlang der rund 100 Kilometer langen Grenze im Rheintal sind das BAZG und die Kantonspolizei im selben Raum im Einsatz. Das BAZG kümmert sich um die Überwachung und Kontrolle des Personen- und Warenverkehrs gemäss dem Zollgesetz. Unsere Hauptaufgabe ist die Strafverfolgung und die Grenzpolizei, also die Kontrolle des Personenverkehrs. Wird am Zoll zum Beispiel Diebesgut entdeckt, verfolgen wir den Fall strafrechtlich weiter.

Mit welchen Delikten ist die Kantonspolizei im Grenzraum besonders häufig konfrontiert?
Am häufigsten ist Diebstahl, etwa von Velos oder Schmuck. Aber auch Betäubungsmittel- oder Waffendelikte beschäftigen uns. Und natürlich sind illegale Einreisen und Migrationsbewegungen ein Thema.

Die Kantonspolizei arbeitet schon heute mit dem BAZG zusammen. Warum braucht es das gemeinsame Interventionszentrum in St. Margrethen?
Die Kantonspolizei ist mit verschiedenen Herausforderungen konfrontiert. Migrationsbewegungen oder internationale Kriminalität sind nur zwei Beispiele. Um diesen zu begegnen, haben wir die engere Zusammenarbeit als strategisches Ziel definiert. Denn Sicherheit lässt sich langfristig nur gemeinsam gewährleisten. In der politischen Diskussion wurden die Kosten des Interventionszentrums kritisiert. Mir ist wichtig: Sicherheit hat ihren Preis. Es braucht gut ausgebildete Menschen und eine gute Infrastruktur. Einen gemeinsamen Standort von Kantonspolizei und BAZG gibt es übrigens bisher in keinem anderen Schweizer Kanton.

Nehmen wir einen konkreten Fall: Ein mutmasslicher Schlepper wird an der Grenze angehalten. Wie läuft das heute – und künftig?
Heute prüfen Zollmitarbeitende zuerst die Einreisepapiere und machen Abfragen in den entsprechenden Systemen und informieren danach bei Auffälligkeiten die Polizei. Sind unsere Patrouillen ausgelastet, müssen Personen teilweise Wartezeiten in Kauf nehmen, bevor sie zur Befragung abgeholt werden. Künftig würden die Mitarbeitenden des BAZG direkt ins Interventionszentrum gehen, wo auch wir vor Ort sind. Untersuchungen könnten parallel laufen: Während der Zoll das Fahrzeug untersucht, können wir bereits Befragungen durchführen. Denkbar sind auch gemeinsame Einvernahmen. Heute finden zwei getrennte Rapportierungen ohne digitalen Datenaustausch statt. Zudem kann die Infrastruktur für beide Organisationen effizienter genutzt werden.

Zusammenarbeit ist nicht nur eine Frage der Infrastruktur. Welche Herausforderungen siehst du, wenn zwei verschiedene Arbeitskulturen aufeinandertreffen?
Wir haben zwar unterschiedliche Aufträge und Ausbildungen, aber die Zusammenarbeit ist schon heute sehr gut. Beide Organisationen verfolgen ein gemeinsames Ziel: Sicherheit. Es gibt sogar Mitarbeitende, die zwischen BAZG und Kantonspolizei wechseln. Ich gehe deshalb nicht davon aus, dass unterschiedliche Kulturen zum Problem werden. Wichtig ist, dass wir uns die gegenseitigen Bedürfnisse und Aufträge mitteilen und uns so noch besser verstehen. Meine Erfahrung ist: Je transparenter die Führungsebenen zusammenarbeiten, desto besser funktioniert es auch operativ. Darum ist auch mir persönlich ein konstruktiver Austausch sehr wichtig.

Entsteht durch die engere Zusammenarbeit auch mehr Arbeit für die Kantonspolizei?
Wenn Organisationen enger zusammenarbeiten, erkennen sie schneller, wo ein Fall auch für die andere relevant ist. Deshalb rechnet die Kantonspolizei damit, dass es mehr Fälle geben wird. Das kann zusätzlichen Aufwand bedeuten – zeigt aber auch, dass die Zusammenarbeit funktioniert.

Das Rheintal ist die längste Aussengrenze des Kantons St. Gallen. Wie erlebst du die aktuelle Situation im Bereich Migration?
Momentan ist sie nicht aussergewöhnlich. Angesichts der unsicheren Weltlage müssen wir aber jederzeit bereit sein. Bei früheren Migrationswellen kamen über Monate
hinweg täglich 50 bis 70 Personen an der Grenze an. Jede einzelne Person muss kontrolliert und befragt werden. Das ist mit grossem personellem Aufwand verbunden.

Ein Blick in die Zukunft: Woran erkennst du in einigen Jahren, dass sich das Interventionszentrum bewährt hat?
Wenn das Sicherheitsgefühl der Menschen steigt – und wenn sichtbar wird, dass BAZG und Kantonspolizei eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig unterstützen.