Studien zeigen imfall, dass …», «Die Medien verschweigen dir das absichtlich» oder «Alle sagen, dass …» – solche Sätze begegnen uns im Alltag. Im Restaurant am Nebentisch oder in politischen Diskussionen. Oft schütteln wir den Kopf, wenn wir die Leute so reden hören. Aber Hand aufs Herz: Hast du solche Aussagen nicht auch schon selbst weitererzählt, insbesondere aus dem eigenen Bekanntenkreis oder deinem eigenen «Social Media Feed»?
Keine Mahnfinger-Kampagne
Diese Entwicklung betrifft längst nicht mehr nur harmlose Gerüchte. Ob auf sozialen Medien oder auf Nachrichtenseiten – Desinformationen (Fake News) sind überall und ihre Zahl nimmt durch künstliche Intelligenz (KI) stark zu. Neue Medien und digitale Plattformen verbreiten Informationen rasend schnell, auch wenn sie fehlerhaft oder bewusst manipuliert sind. KI ermöglicht täuschend echte Bilder und Videos. Fakten und Fälschungen sind immer schwieriger zu unterscheiden. Und schnell kippt das harmlose Gerücht in ein ernsthaftes gesellschaftliches
Problem: Desinformationen zerstören Vertrauen, verunsichern Menschen und beeinflussen demokratische Prozesse.
Aus diesem Grund entstand die Sensibilisierungskampagne «Facts Matter», die wir vom DI gemeinsam mit den Kantonen Zürich und Luzern erarbeitet haben. Von Anfang an war klar: Es darf keine Mahnfinger-Kampagne sein. Der Staat soll nicht als «Wahrheitsministerium» auftreten und definieren, was richtig oder falsch ist. Vielmehr geht es darum, Menschen zu befähigen, kritisch zu hinterfragen. Deshalb lautet der zentrale Slogan: «Prüfe, bevor du glaubst.»
«Facts Matter»
Die Kampagne baut im Kanton St.Gallen hinsichtlich des Aufwands und der Akzeptanz bewusst auf bestehende staatliche und kommunale Zuständigkeit. Daher wurden im Kanton St.Gallen die Bibliotheken auf kantonaler und kommunaler Ebene als primäre Partnerinnen der Kampagne definiert. Sie sind nahe bei den Menschen, bieten Zugang zu verlässlichen Quellen und gelten als vertrauenswürdige Orte der Information und Orientierung.
Dieser Ansatz hat sich bewährt: Gemäss bisherigen Rückmeldungen kommt die Kampagne gut an. Auf dieser Basis könnten Aktivitäten von «Facts Matter» weitergeführt werden. Die Förderung von Medienkompetenz und Digital Literacy ist schliesslich Teil der Schwerpunktplanung 2025–2035 der Regierung. Dort setzt die Kampagne an. Weitere Angebote des Kantons St.Gallen sind auf der Website www.factsmatter.ch sowie auf www.sg.ch/factsmatter ersichtlich. Weitere kantonale Angebote können gerne an kop.di@sg.ch gemeldet werden.
Das DI betritt Neuland
Wir betreten mit dieser Kampagne ein Thema, das bisher kaum von staatlicher Seite aufgegriffen worden ist. Entsprechend war ein intensiver Austausch mit den Partnerkantonen und im Generalsekretariat des Departementes des Innern nötig. Auch zur Frage: Was ist eine gelungene Sensibilisierung und wo beginnt ein überzogener Wille zur Beeinflussung von Meinungsbildung und Diskursen? Der Fokus auf den Satz «Prüfe, bevor du glaubst» schien uns schliesslich klar und doch genug offen zu sein.
Um in diesem Sinne nicht belehrend zu wirken, setzt die Kampagne Humor ein. In kurzen Social-Media-Videos werden fiktive Schlagzeilen verbreitet, zum Beispiel behauptet die St. Galler Sängerin Joya Marleen, dass nun Alphörner und Bergseen fester Bestandteil für Schweizer Musik sein müssen. Oder ein mutmasslicher Zeitungsausschnitt zeigt, dass die Olma künftig alle zwei Jahre in Zürich stattfinde. Eine Bärenfigur löst am Schluss auf: Alles erfunden, «lass dir keinen Bären aufbinden».
Neben den Videos vermittelt die Kampagne auch konkrete Hilfestellungen, um Desinformationen besser zu erkennen. Fünf einfache Fragen helfen dabei. Denn wer sich informiert, kritisch prüft und unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt, trifft verantwortungsvollere Entscheidungen. Gute Entscheidungen brauchen Fakten. Seit der Arbeit an «Facts Matter» fällt mir vermehrt auf, wann ich Aussagen ungeprüft übernehme – besonders aus dem eigenen Umfeld. Wenn ich nachhake oder dem nachgehe, merke ich rasch, ob es sich um Fakten oder um Behauptungen handelt.
Notiert: Gloria Weiss
Leiterin Kommunikation und Planung DI