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Wenn dich das Einflüstern steuert

Hast du das gewusst? Rund 97 Prozent unserer Entscheidungen treffen wir unbewusst – sozusagen im Autopiloten, auch bei unserer Arbeit. Was steckt dahinter? Am 14. BUD-Forum ging es darum, unbewusste Denkmuster zu erkennen und bewusst gegenzusteuern.

Evelyn Jeger

Wenn dich das Einflüstern steuert

Hast du das gewusst? Rund 97 Prozent unserer Entscheidungen treffen wir unbewusst – sozusagen im Autopiloten, auch bei unserer Arbeit. Was steckt dahinter? Am 14. BUD-Forum ging es darum, unbewusste Denkmuster zu erkennen und bewusst gegenzusteuern.

Evelyn Jeger

Hast du dich schon einmal gefragt, wie oft du eine Entscheidung triffst, ohne wirklich darüber nachzudenken? Oder wie schnell du einen Menschen sympathisch oder unsympathisch findest? Warum kommt es vor, dass man in Sekundenschnelle voreilige Schlüsse zieht? Dahinter stecken unbewusste Denkmuster, sogenannte «unconscious bias». Anlässlich des 14. BUD-Forums haben sich Mitarbeitende des Bau- und Umweltdepartementes mit diesem Thema auseinandergesetzt. Gudrun Sander vom Competence Centre for Diversity, Disability & Inclusion der HSG hat die Hintergründe erklärt. 

Abkürzungen mit Tücken
Unbewusste Denkmuster sind mentale Abkürzungen, die unser Gehirn nutzt, um die Komplexität der Dinge zu reduzieren und den Alltag effizient zu bewältigen. «Wir alle haben sie und sie sind nicht grundsätzlich schlecht. Sie helfen uns, schnell zu reagieren», erläuterte Gudrun Sander. Sie können aber auch dazu führen, dass wir Situationen falsch einschätzen, Menschen unfair beurteilen oder Chancen übersehen – im Privatleben genauso wie im Arbeitsalltag. Deshalb ist es wichtig, diese Muster zu erkennen.

Im Arbeitsalltag können uns unbewusste Denkmuster auf vielfältige Weise begegnen – meistens, wo wir Entscheidungen treffen oder mit anderen Menschen zusammenarbeiten. Zum Beispiel: Vielleicht schenken wir der Meinung eines erfahrenen Mitarbeiters automatisch mehr Gewicht, obwohl eine neue Kollegin genauso gute Ideen einbringt. Das ist der Doppelstandard-Effekt, wo dieselben Handlungen unterschiedlich bewertet werden – je nachdem, wer sie ausführt.

Wenn jemand in einem Meeting wenig sagt, könnte das Verhalten vorschnell als mangelndes Interesse oder fehlendes Engagement wahrgenommen werden. Vor allem, wenn wir das aus früheren Erfahrungen so kennen. Der sogenannte Bestätigung-Effekt führt dazu, ähnliche Szenarien entsprechend zu bewerten, weil sie eben unser Denkschema bestätigen. Auch bei Bewerbungen, Feedbackgesprächen oder der Aufgabenverteilung spielen solche Denkmuster eine Rolle. Sie beeinflussen, wem wir gewisse Aufgaben zutrauen oder wie wir Leistungen bewerten. Womöglich erkennen wir uns selbst in einer anderen Person oder derer Arbeitsweise wieder, weshalb wir die Performance dieser Person besser bewerten oder lieber mit dieser Person zusammenarbeiten würden. Das ist ein Beispiel für den Ähnlichkeitseffekt.

Hunger stillen – dann entscheiden
Solche Denkmuster haben wir alle. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen und die eigenen Denkgewohnheiten zu hinterfragen. So gewinnen wir die Möglichkeit, bewusster zu handeln, offener zu kommunizieren und Entscheidungen reflektierter sowie objektiver zu treffen. Aber wie gehen wir mit diesen unbewussten Denkmustern – den «unconscious biases» – um?

Und was ist gemäss Gudrun Sander der wichtigste Take-away: «Triff nie wichtige Entscheidungen, wenn du hungrig, müde oder verärgert bist.» Denn: In solchen Situationen stehen wir unter Stress, und unser Gehirn versucht, Energie zu sparen. Wir schalten direkt auf Autopiloten und lassen uns umso mehr von unbewussten
Denkmustern leiten.

Hier einige Tipps für den Alltag:
■ das eigene Bauchgefühl hinterfragen und mit Fakten
abgleichen
■ bewusst Tempo aus Entscheidungen nehmen
■ die eigenen Denkmuster kennen
■ zuhören, ohne sofort zu urteilen
■ andere Perspektiven einholen
■ sich für andere einsetzen – besonders, wenn man selbst
zur Mehrheit gehört
■ sich in das Gegenüber hineinversetzen

Das BUD-Forum
Zweimal im Jahr treffen sich die Mitarbeitenden des Bau- und Umweltdepartements zu einem gemeinsamen Anlass im Pfalzkeller. Einen Nachmittag lang steht jeweils ein Thema im Fokus. Ziel ist es, sich weiterzubilden und neue Perspektiven zu gewinnen. Der anschliessende Apéro bietet Gelegenheit, Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, mit denen man im Arbeitsalltag wenig zu tun hat.