Prizren ist eine Stadt voller Charme. Die Altstadt mit ihren engen Gassen, der Steinbrücke und dem Blick zur Festung erzählt von einer reichen Geschichte. Rund um den Shadervan-Platz trifft man sich auf einen Kaffee und erlebt die kulturelle Vielfalt der Stadt. Besonders am Abend, wenn die Lichter angehen, entfaltet Prizren seinen ganz eigenen Zauber. Die Stadt ist multikulturell und touristisch geprägt, die Menschen sind offen und freundlich. Oft werden wir angesprochen, es wird gedankt oder um Fotos gebeten. Das ist zu Beginn zwar ungewohnt, aber Ausdruck einer beeindruckenden Gastfreundschaft.
Als Swisscoy-Angehörige sind wir zum Selbstschutz mit einer Waffe und einem Reizstoffsprühgerät (RSG) ausgestattet. In der einsatzbezogenen Ausbildung im Kompetenzzentrum SWISSINT in Stans-Oberdorf wurde ich in der Vorbereitung auf den Einsatz in einer militärischen Grundausbildung an der Waffe ausgebildet. Dank der guten Ausbildung fühle ich mich im Umgang mit der Waffe sicher.
Aufgrund der Uniform und der mit KFOR beschrifteten Fahrzeuge werden wir von der lokalen Bevölkerung stets erkannt. Sich jedoch plötzlich nur noch zu zweit, in Uniform und bewaffnet in der Öffentlichkeit zu bewegen, ist definitiv gewöhnungsbedürftig. Man geht bewaffnet einkaufen, essen, Kaffee trinken oder sogar spazieren. Zu Beginn war das für mich sehr speziell, doch man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran. Während meines Urlaubs in der Schweiz vermisste ich meinen «Sackbefehl» sogar regelmässig.
Ich bin als Beobachterin unterwegs – offiziell heisst meine Funktion «Observer in Liaison and Monitoring Team». Das umfasst unter anderem den Kontakt mit der Bevölkerung durch Meetings, Patrouillen sowie auch die Kontrollen von Strassen und Infrastruktur. Der Winter brachte dabei einige wetterbedingte Herausforderungen mit sich. In abgelegenen Dörfern führten Unwetter zu Stromausfällen, die teilweise mehrere Wochen andauerten. Da viele dieser Orte nur noch spärlich bewohnt sind, mussten zahlreiche Menschen ihre Häuser über den Winter verlassen. Verlassene Dörfer zu sehen und die Schwierigkeiten der Bevölkerung unmittelbar mitzuerleben, regt zum Nachdenken an und führt zu grosser Dankbarkeit.
Während meines Einsatzes kam es in vielen Teilen des Kosovo zu starken Überschwemmungen. Zahlreiche Häuser und Strassen standen unter Wasser. Einsatzkräfte wie Feuerwehr und Polizei waren stark gefordert, verfügten jedoch nur über begrenzte Mittel, um dieser Umweltkatastrophe zu begegnen. Ab einem gewissen Zeitpunkt blieb kaum etwas anderes übrig als zu hoffen, dass der Regen nachlässt. Familien und Tiere mussten evakuiert werden. Unsere Aufgabe bestand darin, über das Unwetter sowie die betroffenen Gebiete zu rapportieren und entsprechende Meldungen weiterzuleiten.
Je nach Stationierung und Funktion in der Swisscoy unterscheiden sich sowohl die Verpflegung als auch die Vorschriften zum Verlassen der Camps oder des Fieldhouses. In meiner Funktion als Observerin und aufgrund meiner Stationierung in einem Fieldhouse ist es mir grundsätzlich erlaubt, mich innerhalb unserer sogenannten Area of Responsibility (AOR) frei zu bewegen.
Dadurch habe ich neben den gemeinsam zubereiteten Mahlzeiten in unserem Fieldhouse auch die Möglichkeit, verschiedene Restaurants zu besuchen und die traditionelle Küche des Landes kennenzulernen. Diese ist sehr fleischlastig, aber wirklich köstlich.
Auch wenn sich der Kosovo in den letzten Jahren stark verändert hat, sind die Spuren der Vergangenheit weiterhin sichtbar. Viele Häuser stehen leer, die Narben des Krieges sind noch deutlich erkennbar. Die Strassen befinden sich in sehr unterschiedlichem Zustand: Manche sind schwer befahrbar, bei Regen oft überflutet, und Autobahneinfahrten wirken teilweise unsicher, während zahlreiche Fahrzeuge trotz erheblicher Mängel unterwegs sind. Erschreckend ist zudem, wie viele Menschen entlang der Autobahn zu Fuss gehen oder diese überqueren, obwohl der Verkehr ein hohes Sicherheitsrisiko darstellt und Unfälle keine Seltenheit sind. Zu sehen, wie die Infrastruktur beschaffen ist, wie die Menschen leben, wie viele Strassentiere es gibt und wie stark Abfall die Natur belastet, macht deutlich, unter welch schwierigen Bedingungen viele Menschen hier noch immer leben.
Swisscoy-Einsatz in Prizren
Lea Windler leistet als Observerin im «Liaison and Monitoring Team» (LMT) gemeinsam mit ihrem Team einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Dialog und Stabilität in der Region Prizren. Die multiethnische Region liegt im Süden des Kosovo. Trotz einer insgesamt ruhigeren Sicherheitslage ist die Arbeit anspruchsvoll, da vielfältige gesellschaftliche Themen die Bevölkerung nachhaltig beschäftigen. Durch den regelmässigen Austausch mit unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen sowie mit Behörden, Institutionen und Organisationen stellt das LMT die Verbindung zwischen der internationalen Präsenz und dem lokalen Umfeld sicher. Gleichzeitig wird die Lage aufmerksam beobachtet, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen und damit zu einem sicheren und geschützten Umfeld beizutragen.