Denke ich an die Zeit beim Finanzdepartement zurück, kommt mir zuerst eines in den Sinn: die Vielfalt meiner Arbeit. Nach dem Volkswirtschaftsstudium an der Universität Fribourg führte mich mein beruflicher Weg 2012 zum Kanton. Als volkswirtschaftlicher Mitarbeiter im Generalsekretariat konnte ich an unterschiedlichen politischen Geschäften arbeiten, die weit über das Erstellen des Budgets und des Aufgaben- und Finanzplans (AFP) hinausgingen. Es ging immer auch um Menschen, um Verantwortung und um politisches Gespür. Entscheidungsgrundlagen mussten mit Augenmass vorbereitet werden. Ich erinnere mich gerne an intensive und spannende Jahre mit engagierten Kolleginnen und Kollegen.
Aufgewachsen bin ich im Werdenberg – einer Region, in der ich bis heute verwurzelt bin. Hier wurde ich im Herbst 2020 zum Gemeindepräsidenten von Sevelen gewählt. Die Zeit davor beim Kanton hat mich geformt. Von Flavio Büsser, meinem direkten Vorgesetzten, und den jeweiligen Departementsvorstehern lernte ich politische Zusammenhänge zu erkennen, unterschiedliche Interessen abzuwägen und Entscheidungen transparent zu erklären. Vieles davon fliesst heute direkt in meine Arbeit als Gemeindepräsident ein.
Was mir an diesem Amt besonders entspricht: Ich bin nahe an der Bevölkerung – und ich kann mich unmittelbar einbringen. In meiner Tätigkeit fliessen Arbeit und Freizeit ineinander über. Begegnungen im Dorf, Gespräche in Vereinen oder an Anlässen – all das gehört wie die Sitzungen und das Studium der Dossiers ebenso zum Amt. Ein Herzensprojekt konnten wir diesen Sommer erfolgreich abschliessen: die Revitalisierung des Seveler Abschnitts des Werdenberger Binnenkanals (WBK). Als Präsident des WBK-Unternehmens durfte ich die Planung und Umsetzung dieses Projekts leiten. Es zeigt, was möglich ist, wenn alle gemeinsam an einem Strick ziehen. Wir haben nun in Sevelen ein wertvolles Naherholungsgebiet, das Natur und Mensch gleichermassen zugutekommt.
Auch die Zentrumsentwicklung in Sevelen ist mir ein besonderes Anliegen. Ziel ist es, im Dorfkern einen lebendigen Ort zu schaffen – mit Platz für Begegnungen, Veranstaltungen, Gastronomie und Dienstleistungen. In all diesen Projekten bleiben die persönlichen Kontakte zur kantonalen Verwaltung. Einzig liegt mir heute die
Entlastung des Gemeindebudgets näher als jene des Kantons.
Notiert: Eduard Neuhaus