Was macht eigentlich … Andrea Betschart?

Ehemalige Leiterin des Sekretariats der Staatskanzlei

Andrea Betschart, Leiterin Zivilstandsamt Wattwil

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Von Mai 2010 bis April 2015 durfte ich als Assistentin des damaligen Staatssekretärs und Leiterin des Sekretariats der Staatskanzlei walten. Diese Arbeit habe ich mit viel Elan und Freude ausgeführt und noch heute pflege ich eine schöne Freundschaft mit ehemaligen Mitarbeiterinnen. Diese lehrreiche Zeit und die spannenden Kontakte und Begegnungen werden mir immer in Erinnerung bleiben.

Was hat mich bewogen, die heiligen Hallen der Staatsverwaltung zu verlassen? Seit meiner kaufmännischen Ausbildung hege ich eine grosse Leidenschaft für das Zivilstandswesen. Mögen es romantische Gefühle sein, eine Geburt oder aber ein Todesfall, so nahe am Menschen zu sein, das hat mir schon immer gefallen. Begegnungen mit anderen Menschen, zwischenmenschliche Kontakte, das habe ich schon immer geschätzt.

So ging für mich ein grosser Traum in Erfüllung, als ich im Juni 2015 meine Arbeitsstelle als Leiterin des Regionalen Zivilstandsamtes Toggenburg im schönen Wattwil antreten durfte. Wieso im Toggenburg? Mit dieser Stelle hat sich ein Kreis geschlossen, denn ich habe meine kaufmännische Ausbildung auf der Gemeindeverwaltung Wattwil abgeschlossen. Nun bin ich wieder da. Aufgewachsen bin ich in der Gemeinde Neckertal, in Brunnadern, und so war es eine Heimkehr.

Als Regionales Zivilstandsamt sind wir für elf Gemeinden im Toggenburg zuständig, eine unserer Hauptaufgaben sind die Ziviltrauungen. In zehn der elf Gemeinden werden die Ziviltrauungen vor Ort angeboten, und so kann es sein, dass ich auf «Stör» bin für diese Trauungen. Da im Spital Wattwil keine Geburten mehr stattfinden, trage ich selten eine ein. Allenfalls mal eine Hausgeburt, welche dann meist durch einen freudestrahlenden Vater persönlich angemeldet wird. Im Bestattungswesen bin ich stets bei Gesprächen und Beratungen im Todesfall gefordert. Gerade die jetzige Pandemiesituation stellt mich vor viele Fragen, mit welchen ich in anderen Zeiten nicht konfrontiert bin. Familiär brachte die Pandemie uns eine schlimme Zeit. Mein Vater ist letztes Jahr an Corona erkrankt. Seine Hospitalisation mit anschliessendem künstlichen Koma während zweieinhalb Wochen war für die ganze Familie eine fordernde Zeit, begleitet von vielen Ängsten. Umso dankbarer bin ich, dass er vollständig genesen ist. Meine Mutter ist mir ein grosses Vorbild. Vor zehn Jahren ist sie an Multiple Sklerose erkrankt. Die Art und Weise, wie sie mit dem Schmerz und der täglichen Ungewissheit zum Verlauf ihrer Krankheit umgeht, erfüllt mich mit Stolz. Ihre Tapferkeit und ihr Mut, jeden Tag wieder aufs Neue zu nehmen, beeindrucken mich sehr. Für die Zeit, die mir mit meiner Familie bleibt, bin ich sehr dankbar.

In meiner Freizeit liebe ich es, Wanderungen und Ausflüge zu unternehmen. Regelmässig bin auch dem Thurweg anzutreffen und auch der Alpstein fasziniert mich immer wieder aufs Neue. Ruhe finde ich in meinen wöchentlichen Yoga-Stunden. In die Ferne zieht es mich vor allem in den asiatischen Raum, vorzugsweise an einen schönen Palmenstrand. Meist bin ich aber im Toggenburg anzutreffen.